Nachdenken über Eddie Van Halen

Mir fällt, wie so oft, beim Schreiben seines Nachrufes grade erst auf, wie wichtig Eddie Van Halen ganz offensichtlich wirklich war. Denn es passiert nicht jede Woche (gottseidank), dass meine halbe Timeline, also die “Musikerblase”, auf Facebook quasi simultan Trauer trägt.
An mir selbst sind Van Halen immer ein bisschen vorbeigegangen (“Jump” finde ich trotz aller Ausgelutschtheit allerdings immer noch einen auf seine Art coolen Song). Ich habe sie 1998 in der “Gary -Cherone-Phase” noch am Ring gesehen, aber da haben wir alle nur auf Ozzy gewartet und dazwischen kam auch noch Rammstein und ein sintflutartiger Regen…

 

Um dieses Phänomen Van Halen zu verstehen, muss man vielleicht auch eher in die USA schauen – dieses total überdrehte, gutgelaunte Hair-Metal-Ding, das eine ganze Generation dort zusammengeschweißt hat, das “Soundtrack of our Youth”-Klischee und die berühmte Anekdote mit den braunen M&Ms in der Schüssel in der Garderobe. Dass zwei Einwanderer-Kids aus Holland (“Wir hatten 50 Dollar und ein Klavier und wir konnten die Sprache nicht”, hat Eddie mal rückblickend gesagt) zu Lebzeiten in nur wenigen Jahren diesen Legendenstatus erreichen können – das ist schon sehr amerikanisch. Und Eddie Van Halens Einfluss stammt zu mindestens gleich großen Teilen aus der (Weißen!) Jugendkultur wie aus seinem – exzellenten – Gitarrespiel, bei dem erstmal jahrelang keiner wusste, was der da eigentlich macht und wie. Das erinnert an Hendrix und der Vergleich ist sicher nicht total daneben.

Wally Farkas, ein in Sachen Rockgeschichte erstklassig kompetenter Gitarrist aus Texas (dem Ihr übrigens auf Facebook folgen solltet), hat es auf den Punkt gebracht. “Als er die Szene betreten hat, war das ein Weckruf an alle anderen Gitarristen, an ihrer Technik zu arbeiten – oder zurückzubleiben.”

In diesem Sinne: RIP, Eddie. Im Schrank ist vielleicht noch eine Tüte M&M’s.

 

Foto: Anthony Catalano via Flickr under CC BY-NC-SA 2.0.

Die fünf besten Rollen von Terry Jones in “Monty Python’s Flying Circus”

Terry Jones (1942 – 2020), Gründungsmitglied, Autor, Schauspieler und Regisseur bei Monty Python, spielte selten Hauptrollen. Aber seine Nebenrollen ließen seine Kollegen zu komödiantischer Hochform auflaufen. Warum das so ist, ist schwer zu sagen – sah er so unschuldig aus? So seriös? So normal?

Hier die – subjektiv ausgewählten – Top 5 seiner komischsten Auftritte. 

  • Nummer 5: Der schmierige Süßwarenfabrikant, der Pralinen äußerst zweifelhafter Zusammensetzung verkauft, zum Beispiel den “Crunchy Frog” (“If we took the bones out, it wouldn’t be crunchy anymore now, would it?”).

  • Nummer 4:  Der biedere Biertrinker mit Bowlerhut, der im Pub von Nervensäge Eric Idle (“Evenin’ squire!”) auf diverse Qualitäten seiner Frau (“Is your wife a goer? Does she go? Eh? Eh?”) angesprochen wird, was er pikiert quittiert (“Are you insinuating something?”).

  • Nummer 3: Karl Marx in “Communist Quiz”, der leider die Frage des Quizmasters (Eric Idle) nicht beantworten kann, welches englische Fußballteam den Spitznamen “The Hammers” trägt und deshalb keine Couchgarnitur gewinnt.

  • Nummer 2: Der Bräutigam, der seine Braut auf Händen in die Bettenabteilung eines Kaufhauses trägt, um dort ein Ehebett zu kaufen, aber das Wort “Matratze” nicht aussprechen darf, weil sonst lauter irre Sachen passieren, worauf ihn der Verkäufer Mr. Verity (Eric Idle, mal wieder) entnervt hinweist. (“Everybody! Somebody said ‘mattress’ to Mister Lambert. TWICE!”)

  • Nummer 1: Natürlich eine Frauenrolle – und zwar die der mürrischen Kantinenwirtin, die dem einschwebenden(!)  Ehepaar (Idle, Chapman) gern ein Gericht mit “Spam” verkaufen würde, was Chapman ablehnt (“I don’t like Spam!”). Der folgende Dialog enthält so oft das Wort Spam, dass zunächst ein Wikingerchor anfängt zu singen. Sehr viel später bedient sich die Informatik des Terminus um damit unerwünschte Werbemails zu bezeichnen.

Thank you and rest in peace, Terry Jones. Two down, four to go.

 

Nachtrag vom 24. Januar: Wie konnte ich Arthur “Two Sheds” Jackson vergessen…

Und noch ein Nachtrag am 1. Februar: Die Pythons haben ein eigenes “Best of” veröffentlicht, das hier natürlich zwingend dazu gehört.

An Anne Franks 90. Geburtstag versucht man, mir ein leeres Tagebuch zu verkaufen…

Anne Franks (in diesem Jahr 90.) Geburtstag ist offensichtlich der “Tag des Tagebuchs”, was ich ja noch einigermaßen nachvollziehen kann. Erinnerungspolitisch und literaturhistorisch ist die Textsorte “Tagebuch” eng mit ihr verknüpft, sie ist sicher neben Plinius und Samuel Pepys eine der bedeutendsten Chronistinnen der Welt- und Literaturgeschichte und natürlich hat das etwas mit ihrem Schicksal zu tun. Ein Feiertag, der das Medium ehrt, dass dieses Schicksal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, das es also ermöglicht hat, dass man sich nach 1945 und hoffentlich noch lange damit beschäftigt hat und beschäftigen wird, geht vollkommen in Ordnung. Es würden einem mit etwas Nachdenken noch einige Werke und Autoren mehr einfallen, aber Anne Frank ist als “Datumsgeberin” die richtige Wahl.

Dass ich zu diesem Tag einen Sondernewsletter von Leuchtturm1917 in der Mailbox habe, lässt mich aber ein bisschen unschlüssig zurück. Ich mag den Laden, wohlgemerkt. Die machen super Schreibwaren. Und der Newsletter generell ist einer der angenehmeren.

Aber ist es angemessen, mir an Anne Franks 90. Geburtstag, ein leeres Tagebuch namens “Some Lines a Day” verkaufen zu wollen? Von Anne Frank ist in der Mail nicht die Rede. Aber wäre das besser oder schlechter? Ich weiß es wirklich nicht.

Nachtrag: Ebenfalls am 12. Juni geboren ist übrigens Wolfgang Herrndorf, der mit “Arbeit und Struktur” sicher auch in die Liste bemerkenswerter Tagebuchschreiber gehört…

Die Sache mit den Botschaften

Es ist keine so richtig gute Woche für den diplomatischen Dienst der USA. Zuerst sorgte Pete Hoekstra, frisch bestellter US-Botschafter in den Niederlanden, mit einem unglücklichen Auftritt bei seiner Antrittspressekonferenz für Aufsehen. Hoekstra wurde von der niederländischen Hauptstadtpresse wegen einer von ihm 2015 getätigten, falschen Äußerung über islamistischen Terror in den Niederlanden gegrillt.

► “Hier müssen Sie Fragen beantworten

Am Freitag entschuldigte sich Hoekstra und nahm die Äußerung zurück. Er habe damals “Länder verwechselt”, so der 64-jährige gebürtige Niederländer.

► “Ich habe Länder verwechselt”

Ebenfalls am Freitag dann die Nachricht: Donald Trump will nicht zur Eröffnung der neuen US-Botschaft in London kommen. Die sei zu teuer gewesen. Und der Preis, der für das alte Gebäude erzielt worden sei, zu niedrig. Schuld sei das, natürlich, Barack Obama. 

► Trump sagt Besuch in Großbritannien ab

Doch die Londoner Vertretung stellt klar: So war das gar nicht. Bereits 2007, also noch unter George W. Bush, habe man angefangen, zu verhandeln, um ein neues Grundstück zu bekommen. Das sei dann schließlich dank eines Grundstückstauschs einigermaßen kostenneutral über die Bühne gegangen.

► US-Botschaft widerspricht eigenem Präsidenten

Und als wäre das alles noch nicht genug, geht mit John D. Feeley auch noch der US-Botschafter in Panama von der Fahne. Begründung: Er könne unter einem Präsidenten Trump nicht mehr dienen. “Als junger Beamter im diplomatischen Dienst habe ich geschworen, dem Präsidenten und der Regierung unpolitisch zu dienen, auch wenn ich nicht mit Teilen ihrer Politik einverstanden sein sollte. Mir wurde klargemacht, dass es eine Frage der Ehre wäre, zu kündigen, wenn ich das nicht könnte. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen.”